
Es sind Bilder, die Günther Burk nicht so schnell vergessen wird. Starke drei Wochen ist es her, als der Vorsitzende des Fördervereins Kinderheim Zsobok das Leid an der ukrainisch-rumänischen Grenze mit eigenen Augen gesehen hatte. Täglich kommen an dem kleinen Übergang inmitten der Karpaten Dutzende von Schutzsuchenden vor dem Krieg aus der Ukraine an. „Die Eindrücke sind erschütternd, aber wir haben auch gemerkt, dass unsere Hilfe ankommt, dass wir alle gemeinsam etwas bewirken können“, berichtete Burk am vergangenen Samstag, 9. April. Rund 20 Helferinnen und Helfern, Spenderinnen und Spendern haben sich auf dem Vereinsgelände in Murr eingefunden, um einen Sattelschlepper zu beladen und im Laufe des Tages auf die Reise nach Zsobok zu schicken. Mit an Bord bekam der 40-Tonner unter anderem Süßigkeiten und Ostergeschenke für 360 Kinder. Gespendet wurden sie von Julia van Kaldekerken und ihrem Mann Bastian. Die Fitnesstrainerin hatte eine Online-Trainingswoche gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber Bellicon angeboten. Die Teilnahme erfolgte auf freiwilliger Spendenbasis. Am Ende hatte sie so mehr als 3.500 Euro an ihren Mann Bastian übergeben können. Der Aldi-Vertriebsleiter in Murr hatte davon Ostergeschenke zum Aldi-Selbstkostenpreis eingekauft und das Unternehmen selbst hat sich großzügig beteiligt und die Ostersachen unter Regie des Geschäftsführers Lars Hetzel übergeben. „Was uns freut ist, dass sich dahinter auch ein pädagogisches Projekt verbirgt“, so Julia van Kaldekerken. Es sind nämlich die Heimkinder in Zsobok, die daraus erst die Osternester für Kinder der Kriegsflüchtlinge basteln.
Für Günther Burk ist in Sachen Kriegsflüchtlinge die Kooperation mit Zsobok ein Segen. „Wir unterstützen unserer rumänischen Freunde sehr gerne dabei, direkt vor Ort Hilfe zu leisten“, berichtete er den Anwesenden. Das zeige sich übrigens auch in der Spendenbereitschaft wieder. „Vielen ist es ein Herzensanliegen, zu wissen, dass ihre Spende auch tatsächlich dort ankommt, wo sie benötigt wird“, hatte Burk in den vergangenen Wochen immer wieder feststellen können. Die Freunde aus Zsobok sind regelmäßig an der nur etwa 180 Kilometer entfernten Grenze zur Ukraine, geben Hilfsgüter ab und informieren sich, was dringend gebraucht wird. Auch stehen Plätze im Kinderheim zur Verfügung; weitere werden für ein befreundetes Kinderheim in der Ukraine bereitgehalten werden. „Noch sind in dieser Region kein Kampfhandlungen, sollte das Kinderheim dort aber in unmittelbare Gefahr kommen, siedeln auch diese Kinder nach Zsobok um“, erzählte Burk.
Längst sind nicht nur die drei Gründungskommunen Freiberg, Murr und Erdmannhausen besonders eifrig dabei, Hilfsgüter zu spenden. Jede Menge Material kam aktuell auch in Mittelbiberach zusammen, wo ehemalige Murrer das offensichtlich ansteckende „Zsobok-Hilfe-Fieber“ schon vor einer ganzen Weile hingetragen haben.
Helfen wollte auch der Höpfigheimer Albrecht Leize. Zupass kam ihm dabei sein Hobby. Denn der Korbflechter hat quasi keine Materialkosten, sodass er den Reinerlös jeweils hälftig für die Hochwasseropfer im Ahrtal und die Schutzsuchenden aus der Ukraine zur Verfügung stellen konnte. „Es kostet mich ja nur meine Arbeitskraft. Und die gebe ich gerne her“, sagt er. Verkauft hatte er seine Waren unter anderem in Marbach, in Murr und in Höpfigheim und dabei 1.000 Euro eingenommen.
Ihm und vielen anderen Spenderinnen und Spendern dankte Günther Burk am Samstag von Herzen. Er tat dies auch besonders bei den anwesenden Bürgermeistern aus Freiberg, Dirk Schaible und Murr, Torsten Bartzsch. Die Freiberger Verwaltung unterstütze das Hilfsprojekt finanziell sehr großzügig, die Gemeinden Murr und Erdmannhausen zudem umfassend logistisch. „Danke für die große Hilfe, die uns die drei Kommunen seit inzwischen Jahrzehnten und jetzt wieder in dieser schlimmen Situation gewähren“, so Burk.
Natürlich galt der Dank auch den vielen Ehrenamtlichen und Vereinsmitgliedern, die am Samstag dem Wetter getrotzt haben, um in rund sechs Stunden den 40-Tonner zu beladen, damit dieser sicher auf die Reise gehen konnte, um die dringend benötigten Hilfsgüter nach Zsobok zu bringen, von wo sie mit kleineren Fahrzeugen gezielt an Orte in der Ukraine weitertransportiert werden.
Das Foto oben zeigt die Helferinnen und Helfer zum Beladen des Transporters, aber auch weitere Unterstützer sowie Spenderinnen und Spender. Ganz rechts ist Albrecht Leize zu sehen, daneben der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch. Die rechte vordere Reihe endet mit dem Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible. Links daneben, direkt am Stapler, stehen Bastian und Julia van Kaldekerken.